OUTFIT: WIR SIND NICHT MEHR 18

"Es gibt wohl kaum ein schöneres Geschenk, als Aufmerksamkeit."



Ich sitze an meinem Schreibtisch. Eine Vase mit frischen Schnittblumen. Der gut organisierte Terminkalender. Das fühlt sich ziemlich erwachsen an. Ist es auch. Aber es ist das „Mitte-zwanzig-Erwachsen“. Also eigentlich doch nicht.
Das Zimmer, in dem ich sitze, hat vorher einem Romanistik-Studenten gehört. Er ist ausgezogen. Ausgeflogen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Auf der Suche nach sich selbst. Dem richtigen Weg.
Eine meiner Freundinnen bezieht gerade eine Wohnung in Aarhus.
Meine Schwester ist mittlerweile verheiratet und baut ein Haus.
Eine andere Freundin sitzt gerade irgendwo in Dortmund zur Zwischenmiete.
Der Klassenclown von früher tourt durch Südamerika.
Und in 12 Tagen lade ich mein Zeug in einen Transporter und fahre wieder nach Mannheim. Für einen Monat fix. „Und danach?, fragen sie mich. Keine Ahnung.




Wir sind nicht mehr 18. Und wir haben schon so oft darüber geschmunzelt, wie einfach das Abitur im Vergleich zum Studium war. Wir denken jetzt über die wirklich große Liebe nach. Haben Träume, sind nicht mehr so zaghaft. Wir machen einfach! Steigen in Flieger und Züge. Weit weg. Weiter! Wir ziehen ein und um und aus. Packen Kisten. Werfen weg. Trennen uns. Mama am Telefon. Wir quälen uns gemeinsam durch die Prüfungsphase. Trinken billigen Wein und sind dabei, das Leben zu verstehen. Irgendwie. Ein bisschen.
Wir sind älter geworden.
Haben gelernt, dass es da noch viel mehr gibt als die Schule. Kennen alle Ecken des Campus. Aber weiter raus haben wir uns bisher eigentlich auch noch nicht getraut. Die Professoren haben uns gezeigt, dass sich im Leben eigentlich niemand für uns interessiert – aber dafür gibt es ja Seminare. Persönliche Bewertungen. Großer Herzschmerz und wilde One Night Stands haben uns gezeigt, dass alles endlich ist – haben aber die Hoffnung noch lange nicht aufgegeben.
Wir sind ziemlich weit rausgeschwommen, finde ich.
Wir sind ziemlich weit gekommen, finde ich.




Und jetzt stehen wir da. Zwar mit einem Abschluss mehr in der Tasche. Aber: wir haben genau so wenig Plan wie vor fünf Jahren. Und es stehen uns mindestens genau so viele Türen offen. Bloß dieses Mal ist es anders. Nicht schwieriger. Aber irgendwie ernsthafter. Irgendwie fühlt sich das alles so erwachsen an. Wie eine Hose, die noch zu groß ist. Da müssen wir hineinwachsen. Das dauert noch. Und bis dahin halten wir gemeinsam den Hosenbund fest. Mit Ach und Krach. Aber irgendwie zusammen. Auch wenn uns jetzt so viele Kilometer trennen. Gemeinsame Erinnerungen fehlen. Wir wissen, dass wir das schaffen. Wir wissen, dass wir wachsen werden. Denn genau so ging es uns schon ein mal. Und heute schmunzeln wir darüber.

Damals noch im blümchenbedruckten Sessel. Mama nebenan.
Heute am Schreibtisch. In der eigenen Wohnung.
Und was kommt als nächstes?





















Kleid H&M / Poncho C&A / Jacke Lesara / Hut Maison Scotch / Schuhe Tamaris 

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1 Kommentare:

  1. Great styling
    You look at the sensational
    Regards
    http://moda-na-obcasach.blogspot.com/

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