BOOK: ERBE UND SCHICKSAL

"Die Wahrheit ist, dass wir zwei Generationen von Männern in den beiden Weltkriegen verloren haben, während es zwei Generationen von Frauen unmöglich gemacht wurde, an ihre Stelle zu treten."




























Da ist er wieder in meinem Bücherregal: Jeffrey Archer. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass viele, die die Worte historischer Roman hören, die Nase rümpfen. Aus irgendeinem Grund steht das Genre in dem Verruf langweilig und dröge zu sein. Dabei ist das überhaupt nicht so! Man darf sich die Handlung nicht als Geschichtsbuch vorstellen - es ist und bleibt ein Roman, eine fiktive Handlung. Der einzige Unterschied besteht darin, dass er in der Vergangenheit spielt und von Zeit zu Zeit auf historische Ereignisse verweist oder vor dem Hintergrund dieser spielt. Also, den großen Bogen um die historischen Romane, kann man in der Buchhandlung getrost sparen. Lasst euch lieber in eine andere Zeit entführen und lernt evtl. nebenbei etwas. 
Wer sich langsam an das Genre wagen möchte, dem empfehle ich die Clifton-Saga von Jeffrey Archer, erschienen im Heyne Verlag. Ich habe bereits die ersten beiden Teile gelesen und kann sagen, dass es stärker um die Familienverhältnisse und die persönlichen Schicksale der Protagonisten geht und weniger darum historisches Wissen zu vermitteln. Da der dritte der aktuellste deutsche Band ist, möchte ich hier Erbe und Schicksal rezensieren. Am 12. September erscheint übrigens der nächste Band, Im Schatten unserer Wünsche, worauf ich mich schon sehr freue!

INHALT: England 1945: Der Zweite Weltkrieg ist beendet. Harry Clifton, der sich aus den Hafendocks Bristols hochgearbeitet hat, und sein treuer Jugendfreund Giles Barrington, Sprößling der Schifffahrt-Dynastie Barrington haben überlebt. Endlich hat Harry zu seiner großen Liebe gefunden, zu Giles' Schwester Emma Barrington. Doch ein langer Schatten droht auf die jungen Menschen zu fallen. In einer dramatischen Verhandlung obliegt es dem Haus der Lords festzulegen, wer das Vermögen der Barringtons rechtmäßig erben wird: Harry oder Giles. Harry weiß, dass die Entscheidung seine Verbindung mit Emma für immer zerstören könnte. Für die Familie Clifton und Barrington beginnt eine neue Epoche voller Intrigen und Verrat. 

MEINUNG: Ich habe mich sehr auf die Fortsetzung der Clifton-Saga gefreut, auch wenn ich den zweiten Band nach dem grandiosen Auftakt nicht mehr ganz so gut fand. Und auch mit diesem Band hat der Autor es geschafft, mich in eine andere Welt zu entführen, weil die Geschichte fesselnd erzählt ist. 
Wieder wird die Geschichte der Cliftons aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt - und gerade im ersten Band hat mir so gut gefallen, dass sich Ereignisse überschnitten haben, so dass man sie aus Sicht verschiedener Figuren erzählt bekommen hat und damit das Ereignis aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wurde. Dies ist diesmal nicht so - im Gegenteil: Die Geschichte ist linear erzählt, mir haben die Verwicklungen und Verwirrungen gefehlt und die Verknüpfungen der verschiedenen Erzählstränge. Ich hatte das Gefühl, dass es gilt, ein Abenteuer einer Figur zu erzählen um dann später nicht mehr darauf einzugehen. Oft habe ich mich in diesem Band gefragt, was ist mit dieser Figur passiert und wie hat sich jene Protagonistin entwickelt. Antworten gab es hierzu nur wenige - und wenn, dann in einem Nebensatz. Dazu kommen die großen Zeitsprünge. Es sind sechs oder sieben Jahre, die übersprungen werden und aus einem eben noch achtjährigen Jungen ist ein junger Erwachsener geworden, ohne dass auf die Jahre dazwischen eingegangen wird. Auch hierzu hätte ich mir mehr Informationen gewünscht. 
Trotzdem ist das Buch fesselnd und man merkt, dass Jeffrey Archer unglaublich gut erzählen kann. Er vermag es, den Leser in seine Geschichte zu ziehen, ihn in eine andere Zeit zu katapultieren - und auch, die einzelnen Geschichten innerhalb der Großen Ganzen spannend aufzubauen und die Lösung immer erst kurz vor dem Ende zu offenbaren. Es gibt Intrigen und Verleumdungen, Freundschaft und Hass, Liebe und Eifersucht - an Dramen fehlt es dem Buch nicht. Und diese machen das Buch sehr fesselnd, sodass man es als Leser nicht aus der Hand legen möchte. Dazu trägt auch der Schreibstil bei, der zwar einfach aber ansprechend ist und für einen guten Lesefluss sorgt. Er ist lebendig und hat auf mich als Leser eine Sogwirkung. 
Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass es für mich in dem Buch zu wenig von Harry zu lesen gab. Obwohl er meiner Meinung nach die Hauptfigur ist, las man in diesem Band mehr über Giles und über Harrys Sohn Sebastian. Ein Ausgleich war für mich Giles Schwester Emma, die eine tolle Entwicklung durchmacht, sich durch ein Fernstudium bildet und Ambitionen zeigt im Familiengeschäft mitzumischen. 
Hinsichtlich des Schlusses ist sich Jeffrey Archer treu geblieben. Wie immer endet es mit einem Cliffhanger. Ich bin kein Fan davon, da es mir trivial erscheint und das Buch es meiner Meinung nach nicht nötig hätte so plakativ zu enden. Mich reizt die Familiengeschichte und die zukünftige Entwicklung der Protagonisten, nicht die Auflösung des Cliffhangers, die Reihe weiterzulesen. 
Trotz der Kritik ist das Buch sehr unterhaltsam und hat mich gefesselt. Trotzdem habe ich diesen Band noch einmal schwächer als den Vorgänger empfunden. Dennoch werde ich höchstwahrscheinlich auch den nächsten Band lesen. 






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