HÄSSLICHE HERZEN

"Wenn du zu lange in den Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein."

Das erste Mal in der sechsten Klasse. Bestrafung. Erlösung zugleich. Kein Respekt vor mir selbst. Keine Perspektive. Ich saß auf einer Untertasse. Mein Horizont so beschränkt. Konnte mir dieses Stück Schokolade nicht verzeihen.
Mit sechzehn habe ich dich so sehr verletzt. War naiv. Selbstverliebt und habe an niemanden außer mich selbst gedacht. Einen kleinen Augenblick zumindest. Ein Jahr lang habe ich nicht wieder zu mir selbst gefunden. Bin umhergeirrt. Habe immer wieder angerufen. Wir haben mir das nie verziehen.
Gänsehaut und dieses Gefühl, wie, kurz bevor man kotzt.
Ein Schnitt. Tausend Tränen. Mein Gott, was habe ich gelitten. Versinken im Selbstmitleid. Nur so konnte ich wachsen. 

Du hast mich im Stich gelassen. Du hast dich einfach nicht mehr gemeldet. Und heute, ein gefühltes Leben später, denkst du, alles sei wie früher. Du erzählst mir nach so vielen Monaten, du seist stolz auf mich. Du hast mich vermisst. Du hast mich ausgeschlossen. Mich warten lassen. Du hast mich verarscht, mich angelogen. Du hast mich als selbstverständlich angesehen. Du hast mir das Herz gebrochen. Und dann grinst du mich an und willst mich in den Arm nehmen. Du hast mich ausgelacht und bist plötzlich mein größter Fan. Du hast mich stehen lassen. Mich ersetzt. Mich verraten. Und all das soll nur ein Missverständnis gewesen sein?
– Und ich höre zu. Und ich verstehe. Und ich kann nachvollziehen. Und ich komme zurück. Und ich warte. Ich verzeihe. Vergebe.
Ich bin süchtig nach Harmonie. Dafür geb’ ich auch mich selbst auf. Manchmal geht es nicht anders. Denn Du wirst Dich nie ändern.
Das hätte ich nie von Dir gedacht. Wer bist Du? Ist es nicht verwunderlich, dass man jemandem so sehr weh tun kann, ohne es zu beabsichtigen. Das ist keine Entschuldigung. Ich will nichts legitimieren. Aber ich habe das nie gewollt. Ein Fehltritt. Ein Fettnäpfchen. Eine falsche Bewegung. Ich will mich nicht rausreden. Ich kann nichts ungeschehen machen. Ich habe das nie gewollt. Nicht nachgedacht.
Ich habe das damals mit Absicht gemacht. Intrigant. Wer war ich eigentlich? Ist das wirklich in diesem Leben passiert? Ich hätte das im Duden nachschlagen sollen.
Es tut mir Leid. Es tut mir Leid. Es tut mir Leid.
Bitte, verzeih’ mir! Bitte!
Du musst mir vergeben.
Du musst mir vergeben.

Du musst mir vergeben!



























Du hast dich weggedreht. Du kehrst mir den Rücken zu. Du bist eiskalt. Verletzt, ich kann das verstehen. Schau mir in die Augen. Lass uns so nicht auseinander gehen. Bitte bleib hier. Nein! Ich bin überfordert. Du siehst so viel in mir – hast so viel in mir gesehen, hast viel zu viel erwartet. Und jetzt schäme ich mich dafür, dass ich nicht perfekt bin. Stelle mich selbst in Frage. Knicke ein.
„Die Leute sehen Dich gern weinen, weil deine Augen dann plötzlich grau sind.“ Immer wieder gehen mir diese Worte durch den Kopf. Als würde ein Teller zu gold werden, sobald man ihn auf den Boden wirft. Genugtuung. Rache. Fühlst du dich jetzt besser?
Du hast mir nie vergeben. Dann sind wir schon zwei.  Denn jedem-, nur mir selbst kann ich nicht verzeihen. Bestraf’ mich. Du hast viel zu viel erwartet. Ich habe mich treiben lassen und klammer mich jetzt krampfhaft an der Heizung fest. Hauch mir Leben ein! Vernunft. Vergib’ mir. Das braucht nur Zeit. Aber bitte nimm’ sie Dir. Bitte, vergib mir. Ich kann das jetzt auch.

CONVERSATION

1 Kommentare:

  1. Ein sehr trauriger Text...
    Ich stelle es mir wirklich nicht schön vor, wenn man in so eine Situation gerät und noch dazu auch wirklich selbst etwas schlimmes verbockt hat...
    Bisher war es in ähnlichen Situationen in meinem Leben wenigstens so, dass ich mir nichts vorwerfen konnte oder man irgendwann an bestimmen Problem nicht mehr länger arbeiten oder die Dinge weiter/wieder kitten konnte.
    Mir ging das mit einer sehr engen Freundin so und das war wirklich hart...

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