WIR HABEN UNS GETRENNT – AUS FREUNDINNEN WERDEN FREMDE

5/30/2019

Aus Freundinnen werden Fremde.
Manchmal möchte man unbedingt aneinander festhalten. Um der alten Zeiten willen oder um dem Damals im Heute die gleichen Chancen einzuräumen. Freundschaften sollten doch immer für die Ewigkeit sein.
Das zwischen dir und mir muss die ruhigen wie auch die stürmischen Zeiten aushalten. Ob nachts Sturm klingeln und vorbeikommen, oder 600 km die uns trennen, diese Verbindung zwischen zwei Menschen, die sich blind verstehen, kann nichts auseinander bringen. Und vielleicht sollten wir daran auch immer glauben und festhalten?

Außer es kommt das ganz normale Leben dazwischen

Was ist, wenn der Alltag vorbeikommt und sich breitmacht, neue Freundschaften geknüpft werden oder sich der Wohnort und die Lebenssituation verändern? Was ist, wenn dein Leben anders verläuft als meins? Ich stehe hier, bin mit meinem Freund zusammengezogen, pendele zu einem Job der mir Spaß macht, falle früh abends müde, aber glücklich ins Bett. Das ist nie ein Grund um etwas Gutes zu beenden. Kein Anlass für Vergleiche oder Vorwürfe. Nein, das wissen wir beide. Ich kenne dich noch von früher, als wir viel gemeinsam hatten und zusammen die Universität durchliefen, die Bachelorarbeit abgaben, die 1-Zimmer-Wohnung endlich verlassen wollten und uns neu verliebten.
Immer mit dir an meiner Seite, immer auf dem selben Weg. Immer mit dem Wissen, wir beide können uns aufeinander verlassen.
Ich bin dann abgebogen von unserem gemeinsamen Weg. Weiter weg von dir, als zu Beginn geplant. Das Handy immer griffbereit für dich und du für mich. Wir schworen es uns, wir glaubten an uns und an das, was uns zusammen ausmachte. Doch die Anrufe und die Gespräche wurden weniger. Einladungen flatterten zu mir: Einweihungsparty, Geburtstage, Konzerte. Ich war zu oft unterwegs, bei meiner Familie oder einfach nicht da. Wir nahmen es uns nie krumm, wir waren uns nie böse. Unsere Kalender waren gefüllt mit dem Leben, für das wir uns entschieden hatten. Da war irgendwann kein Platz mehr für ein Wir. Wir hatten zu viele Chancen verpasst uns wiederzusehen und neu kennenzulernen. 

Manchmal schlüpfen wir in neue Lebensmodelle

Unser Leben entwickelt sich ganz unbeabsichtigt in eine ganz andere Richtung. Das kann gut gehen und wir können uns wunderbar ergänzen, oder den roten Faden verlieren, der unser Wir ausmachte. Wir beide hatten nie mehr die Möglichkeit uns zu erzählen wer wir jetzt sind. Früher waren wir uns gleich. Gleicher Zeitplan, gleiche Wünsche, gleiche Vorstellungen von der Zukunft. Jetzt sind wir uns fremd. Nicht mit Absicht, nicht mit Tränen, nicht im Streit- einfach so, weil es das Leben für uns so vorgesehen hat. Wir sind zwei Fremde, die sich einmal gut kannten. So gut, dass wir heute beide wissen, dass uns nur die Erinnerung von damals verbindet. Wir kennen uns nur noch von früher. Heute sehen wir uns zum ersten Mal wieder, tauschen uns aus, reden und doch wissen wir beide, wir sind heute kein Wir mehr. Wir kennen uns nicht mehr und können keinen Zugang zum Leben des anderen finden. Wie als würden wir unbedingt einen Schuh anziehen wollen, der aber doch eine Nummer zu klein ist. Doch ich hasse es so sehr neue Schuhe zu kaufen. Und dann eine Spur Vorwurf: ich und mein Spießerleben, ein Dorn in deinen hellblauen Augen - vielleicht eine Erinnerung an einen unerfüllten Traum.

Kurz fragen wir uns, ob wir zu zeitig aufgegeben haben.

Aber wir wissen, wir hatten unsere Chancen. Wir haben sie genutzt. Wir haben beide unser Bestes gegeben, aber es hat nicht ausgereicht. Wir beide konnten die Verbindung zwischen uns nicht mehr finden, an die Gedanken von damals anknüpfen und neu anfangen. Manchmal werden ohne einen wirklichen Grund aus Freundinnen Fremde. Wir sind uns beide nicht böse, nachtragend oder trauern der Zeit hinterher. Denn so wie wir jetzt sind, sind wir wunderbar, nur nicht mehr zusammen. Wir teilen keine Gedanken mehr, wir teilen nur die Gewissheit, dass es dem anderen gut gehen wird. Wir haben uns für ein Leben ohne den anderen entschieden.
 Was macht Freundschaften aus?
Früher war ich der festen Überzeugung eine Freundschaft müsse alles überstehen. Sie muss ewig halten, sie muss jeder Hürde und jedem Sturm standhalten. Heute weiß ich, dass man sich manchmal im passenden Moment trifft. Es läuft alles nach Plan, es funktioniert für genau diesen Lebensabschnitt für beide Seiten. Ein Moment, den diese Verbindung gebraucht hat, eine Begegnung die nur jetzt funktioniert und später keinen Sinn mehr ergeben wird. Wenn wir uns verändern, wenn wir uns verabschieden oder wenn wir einen Neuanfang wagen, kann es manchmal sein, dass wir Menschen verlieren. Aber nicht weil wir schuldig sind, nicht weil wir uns falsch verhalten haben, sondern einfach nur weil sich zwei Leben in unterschiedliche Richtungen entwickeln und es einfach nicht mehr passt. Wenn aus Freundinnen Fremde werden, ist das ein ganz normaler Prozess. Nicht jede Freundschaft ist für die Ewigkeit gemacht, wir sollten sie dennoch in guter Erinnerung behalten. Diese Zeit war richtig, genau so wie sie war.

Ich wünsche dir alles Gute, ich weiß du mir auch.

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1 Kommentare

  1. Wow, ein sehr schöner und ehrlicher Beitrag. Kann dir echt nur zustimmen, manchmal ist es eben "nur" der Alltag oder das Leben insgesamt...

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